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Sonntag, 27. Mai 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 78


4.W.K.3.2. Man sagt dann, dass die Seele „in sich geht,“ andere Male auch, dass sie „über sich hinaussteigt.“ 3 Mit dieser Terminologie könnte ich nichts erklären, da ich sie schlecht beherrsche, doch so wie ich es auszudrücken vermag, werdet ihr es, glaube ich, schon verstehen; vielleicht ist das aber auch nur für mich. Stellen wir uns vor, diese Sinne und Seelenvermögen, von denen ich schon sagte, sie seien die Bewohner dieser Burg 4 – denn diese habe ich herangezogen, um überhaupt etwas sagen zu können –, wären hinausgegangen und trieben sich Tage und Jahre lang mit fremden Leuten herum, die Feinde für das Wohl dieser Burg sind. Doch nun, da sie ihre Verlorenheit einsehen, haben sie sich der Burg langsam wieder genähert, auch wenn sie es noch nicht ganz schaffen, drinnen zu sein, weil jene Gewohnheit etwas Hartnäckiges ist, doch sind es keine Verräter mehr, sondern sie schleichen sich um die Burg herum. Da der große König, der in der Wohnung dieser Burg weilt, ihren guten Willen bereits gesehen hat, möchte er sie in seinem großen Erbarmen wieder an sich ziehen, und wie ein guter Hirte5 lässt er sie mit einem so zarten Pfeifen, dass sie es kaum selber merken, seine Stimme hören, damit sie nicht mehr verloren umherirren, sondern in seine Wohnung zurückkehren. Und solche Kraft hat dieses Pfeifen des Hirten, dass sie alle Äußerlichkeiten aufgeben, durch die sie ihm entfremdet waren, und in die Burg gehen.

Anmerkungen
3 Eine direkte Anspielung auf Francisco de Osuna, Tercer Abecedario (Drittes ABC) IX, 7, bzw. Bernardino de Laredo, Subida al Monte Sion (Aufstieg auf den Berg Zion), III, 41. Siehe zu diesem Punkt auch V 12,tít.1.4.5.7 und V 22,13.18.
4 Siehe 1M 2,4.12.15.
5 Teresa verbindet hier das biblische Bild des göttlichen Königs (siehe etwa Jes 33,22; Zef 3,15; aber auch Mt 2,2; Joh 18,33-37 par.) mit dem des guten Hirten (siehe etwa Ps 23; Jes 40,11; Jer 31,10; Joh 10). Was sie mit der Terminologie Osunas und Laredos nicht auszudrücken vermag, sagt sie mit diesem anschaulichen Bild aus dem AT und NT.


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


2. Dicen que «el alma se entra dentro de sí» y otras veces que «sube sobre sí». Por este lenguaje no sabré yo aclarar nada, que esto tengo malo que por el que yo lo sé decir pienso que me habéis de entender, y quizá será sola para mí. Hagamos cuenta que estos sentidos y potencias (que ya he dicho que son la gente de este castillo, que es lo que he tomado para saber decir algo), que se han ido fuera y andan con gente extraña, enemiga del bien de este castillo, días y años; y que ya se han ido, viendo su perdición, acercando a él, aunque no acaban de estar dentro -porque esta costumbre es recia cosa-, sino no son ya traidores y andan alrededor. Visto ya el gran Rey, que está en la morada de este castillo, su buena voluntad, por su gran misericordia, quiérelos tornar a él y, como buen pastor, con un silbo tan suave, que aun casi ellos mismos no le entienden, hace que conozcan su voz y que no anden tan perdidos, sino que se tornen a su morada. Y tiene tanta fuerza este silbo del pastor, que desamparan las cosas exteriores en que estaban enajenados y métense en el castillo.

Samstag, 26. Mai 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 77


KAPITEL 3

In ihm sagt sie, was das Gebet der Sammlung1 ist, das der Herr zumeist vor dem bereits erwähnten schenkt. Sie nennt seine Wirkungen und auch die, die beim vorigen zurückbleiben, bei dem die vom Herrn geschenkten Wonnen besprochen wurden.

4.W.K.3.1. Die Wirkungen dieses Gebets sind vielfältig; einige will ich behandeln, doch zuvor noch eine andere Gebetsweise, die nahezu immer vor jener einsetzt. Da ich an anderer Stelle bereits darüber gesprochen habe,2 sage ich hier nur wenig: Es ist eine Sammlung, die mir ebenfalls übernatürlich erscheint, weil sie nicht bedeutet, im Dunkeln zu verweilen oder die Augen zu schließen, und weil sie auch nicht in etwas Äußerlichem besteht, sondern weil es einfach so, ohne es zu wollen, passiert, dass sich die Augen schließen und man sich nach Alleinsein sehnt; es scheint dann, als würde das Gebäude für das bereits erwähnte Gebet ohne jeden Kunstgriff errichtet, denn die Sinne und äußeren Dinge scheinen mehr und mehr ihr Recht zu verlieren, da sich die Seele das ihre, das schon verloren war, allmählich wieder zurückholt.


Anmerkungen
1 Der Fachausdruck „Gebet der Sammlung“ (siehe auch Anhang I) verweist auf eine Gebetstechnik, die damals vor allem von den Franziskanern propagiert wurde; Teresa war durch die Lektüre der Werke Franciscos de Osuna, Bernardinos de Laredo und Bernabés de Palma und wohl auch durch ihre Gespräche mit Pedro de Alcántara damit vertraut; siehe etwa den deutlichen Hinweis in V 4,7. Für Teresa sind vor allem zwei Aspekte wichtig: die Verinnerlichung und die Christozentrik, die bei ihr wesentlich klarer ausgeprägt ist als bei Osuna und Laredo. Allerdings ist in ihrem Umgang mit dem Ausdruck „Gebet der Sammlung“ eine Entwicklung zu beobachten. In ihrer Vida verwendet sie bei der Behandlung des Gebetes der Ruhe (V 14-15) die Begriffe Sammlung und Ruhe mehr oder weniger synonym für den Einstieg in das „mystische“ (von Gott geschenkte) Beten. Im Weg der Vollkommenheit unterscheidet sie bereits klarer zwischen beiden Ausdrücken, verwendet aber den Begriff „Gebet der Sammlung“ im nicht-mystischen Sinn für eine Gebetsmethode, bei der die Sammlung eigenem Bemühen und (noch) nicht dem freien Geschenk Gottes entspringt (CE 46-50 bzw. CV 28-29); für die Anfänge des mystischen (mehr von passivem Empfangen als von aktivem Tun geprägten) Betens reserviert sie hier den Fachausdruck „Gebet der Ruhe“ (CE 52-53 bzw. CV 30-31). In späteren Jahren verwendet sie beide Begriffe für die Anfänge mystischen, also von Gott geschenkten Betens, jedoch mit einer klaren Abstufung: Im vorliegenden Werk sowie in dem kurz vorher entstandenen Erfahrungsbericht CC 54 (1576) gilt das mystische Gebet der Sammlung (4M 3) als Vorstufe zum Gebet der Ruhe (4M 2).
2 Vgl. V 14-15; CE 46-50 bzw. CV 28-29 (mit der obigen Einschränkung). In CC 54,3, 1576 niedergeschrieben, hat sie ausdrücklich davon geredet.


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


CAPÍTULO 3

En que trata qué es oración de recogimiento, que por la mayor parte la da el Señor antes de la dicha. - Dice sus efectos y los que quedan de la pasada que trató, de los gustos que da el Señor.

1. Los efectos de esta oración son muchos: algunos diré, y primero, otra manera de oración que comienza casi siempre primero que ésta, y por haberla dicho en otras partes, diré poco. Un recogimiento que también me parece sobrenatural, porque no es estar en oscuro ni cerrar los ojos, ni consiste en cosa exetrior, puesto que, sin quererlo, se hace esto de cerrar los ojos y desear soledad; y sin artificio, parece que se va labrando el edificio para la oración que queda dicha; porque estos sentidos y cosas exteriors parece que van perdiendo de su derecho porque el alma vaya cobrando el suyo que tenía perdido.

Freitag, 25. Mai 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 76

4.W.K.2.10. Sein sind wir, Schwestern; er mache mit uns, was er will. Er führe uns, wohin es ihm beliebt. Ich glaube aber fest, dass der Herr einen, der sich wirklich in der Demut und im Loslassen27 übt – ich meine tatsächlich, denn es darf nicht nur in unseren Gedanken geschehen, die uns oftmals täuschen, sondern wenn wir von allem losgelöst sind –, dass der Herr es dann nicht versäumen wird, uns diese Gnade und noch viele weitere zu erweisen, die wir nicht einmal zu ersehnen vermögen. Er sei für immer gepriesen und gebenedeit! Amen!


Anmerkungen
27 Diese beiden Grundhaltungen – zusammen mit der Nächstenliebe – hatte sie auch zu Beginn des Weges der Vollkommenheit als Grundpfeiler des geistlichen Lebens genannt; siehe CE 6,1 bzw. CV 4,4.


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


10. Suyas somos, hermanas; haga lo que quisiere de nosotras; llévenos por donde fuere servido. Bien creo que quien de verdad se humillare y desasiere (digo de verdad, porque no ha de ser por nuestros pensamientos, que muchas veces nos engañan, sino que estemos desasidas del todo), que no dejará el Señor de hacernos esta merced y otras muchas que no sabremos desear. Sea por siempre alabado y bendito, amén.

Donnerstag, 24. Mai 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 75


4.W.K.2.9. Ich werde euch sagen, was ich davon begriffen habe. Lassen wir einmal den Fall beiseite, wenn es dem Herrn gefällt, sie zu erweisen, weil Seine Majestät das will und mehr nicht. Das Warum weiß er;25 da haben wir uns nicht einzumischen. Nachdem wir das getan haben, was auch die in den vorigen Wohnungen tun: Demut, Demut! Durch sie lässt sich der Herr alles abringen, was wir uns nur von ihm wünschen.26 Das erste, woran ihr seht, ob ihr sie habt, ist, nicht zu denken, dass ihr diese Gnaden und Wonnen des Herrn verdient, noch in eurem Leben erhalten müsstet. Ihr werdet mir sagen, wie man sie auf diese Weise erlangen soll, ohne sie sich zu verschaffen. Darauf antworte ich, dass es keine bessere gibt als die, die ich euch genannt habe, nämlich sie sich nicht zu verschaffen, und zwar aus folgenden Gründen: erstens, weil das Erste, was dazu nötig ist, darin besteht, Gott ohne jedes Eigeninteresse zu lieben;
zweitens, weil es ein bisschen arg wenig demütig ist, zu meinen, durch unsere armseligen Dienste etwas so Großes erlangen zu können;
drittens, weil die wahre Zurüstung dafür im Verlangen nach Leiden und der Nachahmung unseres Herrn besteht und nicht in Wonnen, jedenfalls für uns, die wir ihn  beleidigt haben;
viertens, weil Seine Majestät nicht verpflichtetist, sie uns zu schenken, so wie die ewige Herrlichkeit, wenn wir seine Gebote halten, denn ohne sie können wir auch gerettet werden, und er besser weiß als wir, was gut für uns ist und wer ihn wirklich liebt. Das ist ganz sicher so, das weiß ich; und ich kenne Menschen, die den Weg der Liebe gehen, wie sie das sollen, allein um ihrem gekreuzigten Christus zu dienen, von dem sie nicht nur keine Wonnen erbitten, noch nach ihnen verlangen, sondern ihn sogar anflehen, ihnen in diesem Leben keine zu geben; das ist wirklich wahr.
Der fünfte Grund ist, dass wir uns vergeblich abplagen werden, da dieses Wasser nicht durch Röhren herbeigeschafft werden kann, wie das vorige; wenn die Quelle keines geben will, nützt es wenig, dass wir uns abtun. Ich will sagen: Wie sehr wir auch Meditation halten und uns sogar ausquetschen und Tränen hervorpressen mögen, es quillt von da kein Wasser hervor; es wird nur geschenkt, wem Gott will, oft gerade dann, wenn die Seele am achtlosesten ist.


Anmerkungen
25 Vgl. V 21,9. Teresa betont immer wieder, dass Gott schenkt, was, wann, wem und wie er will; siehe 4M 1,2 mit den dortigen Parallelstellen.
26 Vgl. CE 24,2, wo die Demut mit der Königin auf dem Schachbrett verglichen wird: „Es gibt keine Konigin, die ihn so sehr dazu bringen kann, sich zu ergeben, wie die Demut.“


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


9. Dejemos cuando el Señor es servido de hacerla porque Su Majestad quiere y no por más. El sabe el porqué; no nos hemos de meter en eso. Después de hacer lo que los de las moradas pasadas, ¡humildad, humildad! Por ésta se deja vencer el Señor a cuanto de él queremos; y lo primero en que veréis si la tenéis, es en no pensar que merecéis estas mercedes y gustos del Señor ni los habéis de tener en vuestra vida. Diréisme que de esta manera que ¿cómo se han de alcanzar no los procurando? - A esto respondo que no hay otra mejor de la que os he dicho y no los procurar, por estas razones:
la primera, porque lo primero que para esto es menester es amar a Dios sin interés;
la segunda, porque es un poco de poca humildad pensar que por nuestros servicios miserables se ha de alcanzar cosa tan grande;
la tercera, porque el verdadero aparejo para esto es deseo de padecer y de imitar al Señor y no gustos, los que, en fin, le hemos ofendido;
la cuarta, porque no está obligado Su Majestad a dárnoslos, como a darnos la gloria si guardamos sus mandamientos, que sin esto nos podremos salvar y sabe mejor que nosotros lo que nos conviene y quién le ama de verdad; y así es cosa cierta, yo lo sé, y conozco personas que van por el camino del amor como han de ir, por solo servir a su Cristo crucificado, que no sólo no le piden gustos ni los desean, mas le suplican no se los dé en esta vida. Esto es verdad.
La quinta es, porque trabajaremos en balde, que como no se ha de traer esta agua por arcaduces como la pasada, si el manantial no la quiere producir, poco aprovecha que nos cansemos. Quiero decir que aunque más meditación tengamos y aunque más nos estrujemos y tengamos lágrimas, no viene este agua por aquí. Sólo se da a quien Dios quiere y cuando más descuidada está muchas veces el alma.

Mittwoch, 23. Mai 2012

S. Teresa: Die innere Burg – Castillo - 74


4.W.K.2.8. Der Wille muss hier meines Erachtens wohl in einem gewissen Sinn mit dem Willen Gottes geeint sein, doch an den Wirkungen und später erfolgenden Werken erkennt man diese Wahrheiten über das Gebet, denn einen besseren Schmelztiegel 22 zur Erprobung gibt es nicht.23 Es ist eine ziemlich große Gnade unseres Herrn, wenn derjenige, der sie erhält, sie auch als solche erkennt, und eine ganz große, wenn er nicht zurückfällt. Nun werdet ihr euch gleich bemühen wollen, um dieses Gebet zu erhalten, meine Schwestern, und ihr habt recht, denn, wie ich schon sagte,24 kann die Seele nie ganz begreifen, welche Gnaden der Herr ihr hier erweist und mit welcher Liebe er sie immer enger an sich zieht, doch möchte man bestimmt wissen, wie wir diese Gnade erlangen.


Anmerkungen
22 Unsere Werke, also unser „Metall“ (4M 2,6), sind der „Schmelztiegel,“ in dem diese „Wahrheiten uber das Gebet“ erprobt werden.
23 Siehe eine Aufzählung dieser Wirkungen in 4M 3,9: „Eine Ausdehnung oder ein Weitwerden der Seele;“ eine größere Freiheit „bei Dingen, die mit dem Dienst fur Gott zusammenhangen;“ „einen lebendigeren Glauben;“ sie lässt sich „durch Hollenangst nicht mehr bedrangen;“ „die Angst, die sie vor Prufungen zu uberkommen pflegte, ist abgemildert;“ sie ist „mehr Herrin über sich selbst;“ sie hat „eine grose Zuversicht;“ „in allen Tugenden gibt es eine Besserung.“
24 4M 2,5.


(Teresa von Avila, Wohnungen der Inneren Burg, Vollständige Neuübertragung, Gesammelte Werke Bd.4, Herder 2005, Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Peeters OCD)


8. La voluntad bien me parece que debe estar unida en alguna manera con la de Dios; mas en los efectos y obras de después se conocen estas verdades de oración, que no hay mejor crisol para probarse. Harto gran merced es de nuestro Señor, si la conoce quien la recibe, y muy grande si no torna atrás.
Luego querréis, mis hijas, procurar tener esta oración, y tenéis razón; que -como he dicho- no acaba de entender el alma las que allí la hace el Señor y con el amor que la va acercando más a Sí, que cierto está desear saber cómo alcanzaremos esta merced. Yo os diré lo que en esto he entendido.